Montag, 24. Juni 2013

Doof zu sein.

Manchmal wünsche ich mir einfach, doof zu sein.
Doof und abgestumpft, emotionslos und grobmotorisch, unintelligent, unbegabt, talentfrei, anspruchslos und blöd. Wie einfach wäre das Leben!

Warum?
Weil dann keiner mehr Ansprüche stellen würde. Die Latte hoch hängen. Nie wieder Anforderungsbereich Drei. Nie wieder Selbstzweifel, das Gefühl mit einer 1- nicht zu genügen, nie wieder Tränen um verpasste 15 Notenpunkte, nie wieder Stress.
Niemand, der von einem verlangt "die Diskrepanz zwischen historischem und geglaubten Jesus" zu erläutern und "im Zusammenhang damit die Quellenlage diesbezüglich" zu beschreiben. Niemand, der fordert "im Kontext heutiger gesellschaftlicher Wirklichkeit Stellung zur Tragweite" zu nehmen. Niemand, der Erwartungen hat.

Warum?
Weil dann 500 Gedanken weniger in meinem Kopf Karussell fahren würden, weil ich einfach nicht fähig wäre, sie zu denken. Weil mir dann nicht auffallen würde, dass ich eben den Konjunktiv benutze. Nie wieder peinlich berührtes Schweigen über Niveaulimbo in Bustelefonaten der Vordermänner. Nie wieder fremdschämen, nie wieder reflektieren des eigenen Handelns und nie wieder Dinge einsehen müssen.
Niemand, der einem mit unglaublich hohlen Sprüchen zur Last fällt. Niemand, zu dem man krampfhaft freundlich sein muss, weil es die Höflichkeit gebietet. Niemand, der Erwartungen hat.



Aber nee - doof sein ist eigentlich schon doof. Weil man dann ja auch nicht merkt, wie doof man ist.
Ist egal.