Montag, 24. Juni 2013

Tierarzt.

Weil ich ja im Mutterschutz nichts besseres vorhabe, als schreiende, halbverhungerte Kater besorgt zum Tierarzt zu tragen und mich 90 Minuten auf harten, unbequemen Wartezimmerstühlen mit Graupapageien zu unterhalten... gibt es jetzt auch nichts besseres, worüber zu schreiben lohnenswert gewesen wäre. Tut mir Leid.

Das Wartezimmer der Tierklinik ist überfüllt, schrecklich laut und es müffelt wie im Raubtierhaus. Die mannshohen Hunde sind in der Überzahl. Aus jeder Ecke stumpfe, trübe Blicke. Genau darum mag ich keine Hunde (mal ganz davon abgesehen, dass mir die meisten eh viel zu groß und pflegeintensiv sind und wenn sie nass werden bis zum Himmel stinken): Sie sind so doof. So treudoofergebenstumpfsinnig, ohne individuelle Persönlichkeit, ohne eigenen Willen. Mein Herrchen, mein Gebieter. Was du sagst, das tue ich (in der Regel) treu ergeben. Und genau so kucken die auch. Was dann den Eindruck der Dusseligkeit noch verstärkt, ist der obligatorische Sabber-Faden im Mundwinkel. Überall tropft es. Vor allem große Hunde sind das reinste Gewässerbiotop. Der Wartezimmerboden ist schon ganz glitschig. Und wie ich da so sitze und den Papageien im Käfig etwas vorpfeife, kommt doch tatsächlich so ein feuchtes Dings, Typ Deutsche Dogge, angetrottelt und patscht seine nasse Schnauze fröhlich gegen mein Knie. Mmmh.

Also, wie gesagt, ich mag keine Hunde. Bin eher so der Katzentyp. Weil Katzen im Gegensatz zum Wauwau intelligent sind. Etwas arrogant und eitel, aber mit Humor und Köpfchen. Und wenn sie wollen, können sie auch mal treu-doof tun. Die Katzen und Kater der Versammlung, deutlich die Minderheit, haben die Situation ganz lässig im Blick: hängen elegant tiefenentspannt in den Transportboxen und mustern abschätzend die Kollegen. Bis auf mein schreiendes Bündel Haut und Knochen im Korb, aber das zählt heute nicht. Hat jeder mal einen schlechten Tag.

Es wird laut im Raum, als der Kampfzwerg mit Herrchen die Bühne betritt. Hund, Typ Fußhupe, nicht größer als eine Damenhandtasche. Aber immerhin: Maulkorb. Und sagenhaft schlechte Laune. Das ist das "Kleine Leute"-Syndrom. Der Winzling giftet und meckert, knurrt und droht, hüpft zähnefletschend an der Leine hin und her, ohne auch nur einen damit sichtlich zu beeindrucken. Lediglich ein großer, zotteliger Berner Sennenhund verdrückt sich winselnd zwischen Herrchens Beine, die aber für die Masse an Tier keinen allzu festen Schutz bieten. Zumal die ängstliche Kraft des Hundes Herrchen und Stuhl damit einmal quer durch das Zimmer befördern. "Ohoh Ohoh Ohoh Sitz Aus", kommandiert der Papagei im Käfig.

Endlich bekommt das armselige, jammernde Bündel, das mal mein Kuschelkater gewesen sein soll, seine Medizin. Erleichtert löhne ich die fälligen 100 Euro und verlasse, von stumpfen Blicken und dem "Hallo! Hallo!" der Papageien begleitet, die Tierklinik. Ich bin kaum aus der Tür getreten, als hinter mir der Kampfzwerg erneut zur Provokation ansetzt. Mein Kater sieht durch die Stäbe des Katzenkorbs zu mir auf. Und wir denken beide das Gleiche.