Freitag, 28. Juni 2013

Vodafone ruft an.

"Schönen guten Tag! Gut, dass ich sie erreiche. Haben sie kurz einen Moment Zeit, es geht um ihre CallYa-Karte?!"
"Ja, äh, ja, naja, fünf Minuten hab ich gerade", sage ich und linse auf die Uhr. Nee, eigentlich hab ich den Rest des Tages. Aber das muss die Frau ja nicht wissen.
"Sie haben ihre Karte schon seit 2009, ist das richtig?", fragt sie und wartet gar nicht erst auf meine Antwort, "Wir haben jetzt ein attraktives Angebot für sie! Viel Leistung für wenig Geld, wäre das etwas für sie?"

Ich muss lachen. Vodafone, du hast mich bitter enttäuscht. Meinen 2009 gebuchten Flat-Tarif hast du einfach abgeschafft. Ohne mich zu fragen. Nun telefoniere und simse ich für viel Geld und alle neuen Tarife, die du zu bieten hast, sind teuer und/oder schwachsinnig. Eigentlich wollte ich den Anbieter schon längst wechseln, hatte aber in letzter Zeit immer anderes zu tun, als mich mit Prepaid-Tarifen auseinander zu setzen. Ein attraktives Angebot? Soso.
"Will Vodafone damit seinen Blödsinn mit dem abgeschafften OpenEnd Talk&SMS wieder gut machen?", frage ich. Die Dame am anderen Ende schweigt kurz irritiert. Dann hat sie sich wieder gefangen: "Es ist ein sehr umfangreiches Angebot für wenig Geld, wie klingt das für sie?" Und ohne, dass ich geantwortet hätte: "Ich würde vorschlagen, sie hören sich das erst einmal an. Es ist ein wirklich attraktives Angebot für wenig Geld!" Ist ja gut. Das weiß ich ja nun jetzt.
"Mmh.", brummele ich. Soll sie loslegen.

"Also, sie bekommen 3000 Frei-SMS im Monat in das Vodafone-Netz und können zu allen Teilnehmern in diesem Netz auch unbegrenzt kostenlos telefonieren. Außerdem haben sie 100 Frei-Minuten in alle anderen Netze, also O2 und auch das Festnetz, die sie jeden Monat nutzen können und 200 MB Internet-Datenvolumen. Das ganze für nur 9,99 € im Monat. Wie klingt das für sie?"
Die letzte Frage ist voller Enthusiasmus. Wahrscheinlich denkt sie, Personen meines Alters können dieses Angebot einfach nicht ausschlagen.
"Nee. Ist mir zu teuer.Ich möchte nicht 10 € im Monat nur in mein Handy investieren.", sage ich.
Tja.

Die Frau schnappt hörbar nach Luft. Entgeistert frag sie nach: "Wie? Sie finden also die 9€ für diese Leistungen zu viel?" Na na na, bei 99 nach dem Komma rundet man nicht mehr ab. Das ist ja fast schon peinlich. Oder Verkaufsstrategie?
Ich versuche, sie ein wenig zu beruhigen: "Nicht für diese Leistungen, nein, so hab ich das nicht gemeint. Ich gebe nicht gerne Geld aus für Dinge, die ich nicht brauche. Und ich brauche weder Internet noch 3000 SMS, noch telefoniere ich ständig im Vodafone-Netz." Weil sie das anscheinend nicht recht glauben will, schildere ich ihr kurz mein Mobiltelefon-Konsumverhalten. Dabei lasse ich anklingen, wie absolut schade ich es finde, dass mein alter Tarif einfach gestrichen worden ist und schließe mit: "Ich schätze, sie haben einfach keinen Tarif, der zu mir passt. Ich werde also sicher bald den Anbieter wechseln."
Darauf erwarte ich vehemente Widerrede und penetrante Werbung. Ich lege mir schon ein zuckersüßes "So, entschuldigen sie, aber ich muss weiter. Ein schönes Wochenende Ihnen!" zurecht, als die Dame nach kurzem Überlegen antwortet: "Gut, dann vermerke ich das hier. Danke, dass sie sich Zeit genommen haben und alles Gute!" Tututut. Verbindung getrennt.
Überrascht schaue ich auf mein Telefon. Sieh einer an. Es gibt also doch noch nette, rücksichtsvolle, tolerante Callcenter-Mitarbeiter. Wie schön.