Mittwoch, 28. August 2013

"Morgens früh um sechs..."

Mein Tag beginnt ungefähr um 5:30 Uhr. Meißtens eher, selten später. Marek liegt in seinem Bettchen und gibt knarrende Laute von sich, die sich in der nächsten halben Stunde in der Intensität bis zu einem fordernden Krähen steigern. Jeden Morgen hoffe ich, er würde wieder einschlafen. Jeden Morgen zieht sich der Herzensmensch mit einem lauten Stöhnen die Bettdecke über den Kopf. Jeden Morgen mündet das Krähen in Gebrüll, dem auch kein "psssscht", kein Schnuller und kein über-den-Kopf-streichen mehr Herr werden kann. Hunger ist das nicht. Die letzte Mahlzeit liegt ungefähr eine Stunde zurück. Es ist eine Mischung aus: "He Leute, es ist hell draußen, Zeit zum Aufstehen!" und "Mama, Papa? Ich will in euer Bett!".

Er kriegt, was er will. Vergnügt liegt der kleine Mann zwischen Mama und Papa, betrachtet hoch konzentriert die weiße Holzdecke und knarrt mit seinem Schnuller im Mund friedlich vor sich hin. Jetzt noch eine Stunde schlafen? Denkste. Platsch, landet der Schnuller auf der Matratze. Man(n) kräht. Und geduldig befördert Mama das Teil wieder zurück ins kleine Mäulchen. Immer und immer und immer wieder. Bis 7:00 Uhr. Dann ist wirklich Zeit aufzustehen. Findet Marek.

Draußen ist es noch nebelig. Fahles, graues Licht scheint auf den Wickeltisch. Ich gähne. Mit müden Augen öffne ich die Schlafanzug-Knöpfe und bin mit einem Schlag hellwach: Meine Hände haben in etwas warmes, weiches gefasst. Es ist spinatgrün bis hellorange. Babykacka. Mmh.
Babykacka stinkt nicht richtig. Und ist überhaupt nicht ekelig (findet Mama, Papa sieht das schon wieder anders..). Aber sie klebt überall, wo sie nicht kleben sollte und wird von meinem Zappelkind regelmäßig dreimal die Woche in unglaublicher Masse produziert. Genauso wie dreckige Wäsche. Fast täglich wechseln wir Body und Strampler, da vollgestrullt oder -gekackert. So viel Schmarrn kann in dem kleinen Bauch doch kaum Platz haben?!

Den vollgeklebten Body ohne größeren Kollateralschaden über den Kopf des Kükens zu ziehen, erfordert höchste Konzentration und ein unglaubliches Geschick. Bloß keine Kacka ins Gesicht schmieren!
Und dann.. das zappelnde kleine Wesen irgendwie sauber wischen. Unser Verbrauch an trockenen und feuchten Popo-Tüchern ist schier unglaublich. Es kostet Zeit. Und Nerven. Bis wirklich jede kleine Speckfalte von grünen Rückständen befreit ist vergeht gut eine halbe Stunde. Marek findet die Prozedur ganz schön doof und beginnt, die restlichen Hausbewohner aus ihrem Nachtschlaf zu reißen.

Ich schwitze. Damit das Menschlein nicht friert, läuft der Heizlüfter auf Hochtouren. Im Zimmer sind gefühlte 36° C. Jetzt eine saubere Windel... Kaum habe ich sie unter Mareks Hintern geschoben, als sich der kleine Pullerhahn erhebt und im perfekten Bogen über die neue Windel hinaus auf die Wickelunterlage strahlt. Wunderbar. Mein Sohn schnauft fröhlich und wedelt mit den Armen in der Luft herum.

Zwanzig Minuten später. Kind ist sauber, fertig angezogen und kräht nach Frühstück. Ich schnappe mir das Stillkissen und sinke erschöpft in den Sessel.
Guten Morgen, Sonnenschein.