Donnerstag, 31. Oktober 2013

Stilldement.

Es ist furchtbar!
Da will man nie alt werden! Nie.
Langsam habe ich das Gefühl, Marek saugt mit der Milch aus meiner Brust sämtliche grauen Zellen aus meinem Gehirn. Vom Kurzzeitgedächtnis sind nur noch klägliche Reste verfügbar. Und die schrumpfen zusehends.

Neulich am Nachmittag. Der Herzensmensch bittet mich, eine Flasche Apfelsaft und eine Flasche mit Wasser aus dem Keller zu holen. Klar, mach ich. Muss doch eh einen bepullerten Baby-Body zur Waschmaschine tragen. Und dann.. was wollte ich noch im Keller? Wird mir schon einfallen, denke ich und mache mich auf den Weg. Auf der halben Treppe halte ich inne. Welchen Saft wollte er? Banane?
Nächstes Beispiel. Angeekelt zieht meine Schwester einen feuchten Socken meines Sohnes aus dem Kühlschrank. "Was macht der denn hier drin?". Wollte ich den nicht gestern Abend noch in den Wäscheeimer werfen? Ach man. Aber warum überwintert er dann die ganze Nacht zwischen Sahnejoghurt und Kirschkonfitüre? Weil ich, wie sich erst viel später herausstellen wird, mein Almighurt Rhabarber-Vanille Joghurtglas inklusive Löffel neben besagtem Eimer abgestellt hatte. Wahrscheinlich fiel mir nicht mehr ein, was ich da wollte. Und dann hab ich das Glas da vergessen. Man man man. Noch schnell Lateinvokabeln lernen, am Abend vor dem Test? Geht schief. Ich hätte es wissen müssen.

Die übrigen Gehirnregionen scheinen auch langsam in Mittleidenschaft gezogen zu werden. Fragt mich nicht, was wir für ein Wochentag haben. Geschweige denn, welches Datum. Weiß ich nicht. Die Jahreszeit kann ich wenigstens noch mit einem Blick aus dem Fenster spontan bestimmen. Na, immerhin. Am Abendbrottisch streite ich mit meinem Papa, wie viele Monate 18 Jahre und zwei Monate denn eigentlich sind (ja, so alt bin ich, schau an). 214 sage ich und verteidige mein Ergebnis so lange, bis mir der Taschenrechner den Irrtum beweist. Ich suche im Schrank nach linierten Blöcken, räume einen großen Stapel davon neben mich, blicke auf die darunter liegenden Kästchenpapier-Exemplare und trage dem Herzensmenschen auf, bei der nächsten Gelegenheit linierte zu kaufen. Sind keine mehr da. Ach, wirklich? Dann soll ich eine Reflexion der Romanfigur über ihre Schuld beurteilen. Hä? Ich sitze über der Aufgabe wie ein Erstklässler über Integralrechenaufgaben. "Bin ich total blöd geworden?", stöhne ich in die Buchseiten. "Willst du eine ehrlich Antwort?", grinst der Herzensmensch zurück.
Schönen Dank auch.

Achja, fast hätte ich es vergessen:
Dass dieser Blog nur selten Neuigkeiten zu berichten hat liegt daran, dass.. na, wer kanns erraten? ... ich vergesse, sie zu posten. Wer hätte das gedacht.