Donnerstag, 31. Oktober 2013

Update.


Er zahlt den Sekt. Fürchterlich kalt draußen, die Straßen wie ausgestorben. Hände in den Hosentaschen, die Flasche im Stoffbeutel, wir singen Auferstanden aus Ruinen und lachen. Von innen ist uns ja warm.
Tschechisches Crustcoregeschrei in der Chemiefabrik. Ist das noch Punkrock? Wir fragen uns. Zurück am Autohaus vorbei. Wenn man fahren könnte.. Sie grinsen.
Steinbruchabenteuerabende. Ihr stochert in der Glut und esst eure verkohlten Würste. Handylautsprecher quäken, es ist noch Toastbrot da. Es wird kalt, wir rutschen einfach zusammen. Ist das dort ein Stern oder ein Flugzeug?
Wenn es dunkel wird erwacht die Stadt. Sommernachtsträume, Sonnenuntergang über den Straßenbahnschienen. In der Luft tausend Stimmen, vereint zum großen Orchester. Sinfonie der Jugend. Kann ich mal deinen Ausweis sehen?
Der Park ist voll, alle hatten die gleiche Idee. Überall winken Leute, die euch zu kennen meinen. Einhundertundeine Zigarette machen die Luft grau und nebelig, der Asphalt schwitzt, auf der Wiese spielen wir Fußball.
Das Thalia Kino hat wieder mal gespielt. Jetzt noch Curry & Co ...und nachts auf der Straße Jack Johnson singen.
Unbequemes Gästesofa. Über mir Party, unter mir Party, draußen vor dem Fenster pulsierendes Leben. Habe Migräne, Gliederschmerzen, möchte nichts weiter als schlafen. In der Erinnerung verklärt sich diese Nacht - war doch alles halb so schlimm.
Wummernde Bässe. Goa haben wir noch nie leiden können. Es riecht nach Hanfplantage, Atemluft wird knapp. Und trotzdem. Die Füße wollen nicht stillstehen. Sie und ich in Trance. Lichter verschwimmen, well I wanna get me something for free I wanna get sleep, you won't let me. 
Diskussionsrunde auf der Parkbank. Subkultur? Ach halt die Klappe.
Bin nur mitgegangen, weil sein Ventilator den einzigen kühlen Platz verspricht. Was ist deine liebste Psychobilly-Band? Kenn ich nicht, sing mal.
Und Sonntag um elf veganer Brunch im Autonomen Zentrum.

Altes Leben.
Neues Leben.

ich bin achtzehn
ich bin achtzehn ich bin verwirrt
ich bin achtzehn ich bin kind ich bin mutter
ich bin achtzehn ich bin verwirrt
ich bin achtzehn ich bin glücklich, traurig ich bin mittendrin
ich bin achtzehn ich bin verwirrt
ich bin achtzehn ich bin längst nicht mehr sternburger und burgerking
ich bin achtzehn ich bin additive polygenie, integralrechnung und babylotion
ich bin achtzehn ich bin verwirrt
ich bin achtzehn ich bin albern ich bin ernst
ich bin achtzehn ich bin verwirrt
ich bin achtzehn



Mein altes Leben schreibt mir eine SMS: "Hey, lebst du noch?". Ich reagiere nicht. Soll es sich doch selbst die Antwort darauf geben. Manchmal vermisse ich es. Manchmal. Wenn ich euren Wochenends-Geschichten lausche. Aber das ist wohl normal.