Freitag, 27. Dezember 2013

Kinderwagen. Oder: Warum zwei nicht immer besser sind als einer.

Wir gehören zu der sehr seltenen Kategorie Familie, die (obwohl nur ein Kind) zwei Kinderwagen besitzt. Und warum? Nicht etwa, weil das Jobcenter es gut mit der Erstausstattungshilfe gemeint hätte (Ha, im Gegenteil!) oder weil wir reiche Verwandte besitzen (auch 'Ha, im Gegenteil'...). Auch nicht, weil der Herzensmensch so gut verdient (er ist Koch, muss ich noch mehr sagen?).

Die Sache ist die: Da ein Neuwagen für uns nie in Frage kommen konnte, entschlossen wir uns zu einem schon von 4 Kindern auf Herz und Niere geprüften No Name-Exemplar. Voll funktionstüchtig und fast geschenkt - für einen kupferfarbenen Geldschein. Drei Wochen nach dem Kauf überraschten uns Freunde meiner Eltern mit einem ultimativen Geschenk zur bevorstehenden Geburt: ein Hartan-supertoll-made-in-Germany-Marken-Wagen, fast neu, von nur zwei Kindern benutzt. Unglaublich.
Da waren es also zwei.

Klar, das ist super. Marek kann sich jetzt immer aussuchen, welchen er benutzen möchte. Und haben in dem einen gerade die Katzen Platz genommen, nehmen wir eben den anderen. Die Tierliebe ist grenzenlos. Es ist auch furchtbar praktisch, wenn der eine Wagen mal aus Versehen nass geworden ist und in Einzelteile zerlegt vor sämtlichen Heizungen tagelang trocknen muss. Kein Problem mein Schatz, du hast ja noch einen Wagen. Es wirft auch ein völlig anderes Bild auf mich und mein Kind. Aus "Assi-schwanger-mit-17-Familie" ist nun ein "Vater-mit-ungarischen-Wurzeln-vielleicht-reicher-Erbe-einer-ungarischen-Dynastie(?)" geworden. Neidvoll folgen uns die Blicke anderer frisch gebackener Mütter in Dorf - "Die hat ja schon wieder einen anderen Wagen...". Und als der No Name-Wagen ein kaputtes Rad hatte und Ersatzteilbeschaffung aussichtslos schien, erregte das nicht sonderlich die Gemüter.

Trotzdem: Eigentlich hätte ich lieber nur einen. Wir sind nämlich keine reichen Erben einer ungarischen Dynastie und wohnen nicht in einer Mega-Villa mit hundert Zimmern, riesen Keller und fünftoriger Garage. Und die beiden Wagen nehmen furchtbar viel Platz weg. Der, der gerade benutzt wird, hat eine schmale Lücke zwischen Fahrrad und Auto in der Garage gefunden. Aber der andere? Nach langen Hin und Her steht er jetzt mehr schlecht als recht im Keller. So, das man immer fast darüber stolpert, wenn man im Dunkeln Saft, Wasser oder sonstwas holen muss. Wenn es dann mal wieder Zeit ist, beide Kinderkutschen auszutauschen (z.B. weil der Hartan-Wagen für Feldwege denkbar dämliche Räder hat, die sich in alle Richtungen drehen und nur auf aalglatt asphaltieren Stadt-Bürgersteigen dorthin fahren, wo man auch hin will, dafür aber besser in den Kofferraum passt), wuchtet man den einen die Stufen aus dem Keller ans Tageslicht und den anderen hinunter ins Finstere. Elende Anstrengung und ziemlich kompliziert.

Aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, welchen in weggebe und welchen ich lieber behalte: ich könnte es nicht. Also behalten wir sie beide und ärgern oder freuen uns darüber. Je nachdem.