Sonntag, 23. Februar 2014

Wenn du doch nur schon reden könntest...

Für kurze Momente vergesse ich manchmal, dass Kinder zu haben etwas wunderbares, einzigartig fantastisch tolles ist. Dann finde ich das nämlich furchtbar anstrengend, nervig und laut.
Solche Momente sind selten, aber ja, natürlich gibt es sie auch. Wäre ja komisch, wenn nicht. Meistens beschleichen mich diese üblen Gefühle, wenn ich einfach nicht herausfinden kann, warum Marek so schlecht gelaunt ist. Wenn er jammernd und weinerlich in seinem Gitter nach mir ruft.
Zähne? Nee, keine Schwellung im Mund, nichts zu  fühlen und zu sehen.
Andere Wehwechen? Rein äußerlich kein Grund zur Sorge, Windel frisch, Nase frei.
Doch schon wieder hungrig? Versuche ich ihn anzulegen, windet sich der kleine Kerl wie ein Aal, dreht den Kopf weg von meiner Brust und brüllt. Also nicht.

Vielleicht ist dir einfach nur langweilig? Schau mal, dein Spielteppich im Wohnzimmer. Schon beim Hinlegen verzieht mein Sohn sein Gesicht, als hätte ich ihm Möhrensaft zu trinken gegeben (Igitt! Möhrensaft!). Schon gut. Ich binde ihn mit dem Tragetuch vor meinen Bauch und versuche, meinen Arbeiten so weiter nach zu gehen. Essen kochen. Klappt nicht. Ständig grapscht eine kleine Hand dazwischen. Da, bitte, da hast du einen Schneebesen. Platsch, schon liegt er auf dem Fußboden. Meine Laune sinkt, während ich mich ständig umständlich bücke, um sämtliche Haushaltsgegenstände vom Fußboden zu sammeln. Marek jammert.

Na schön, dann bist du wahrscheinlich schon wieder müde. Ich lasse das Essen Essen sein, stecke das Nervenbündel unter lautem Gebrüll in seine Sachen (die Mütze ist das Schlimmste, der Laut ähnelt dem Geräusch, was Katzen vorzugsweise Nachts machen, wenn sie sich streiten: kreischen!) und verfrachte es in den Kinderwagen. Aber Marek will und will sich nicht beruhigen. Ich versuche, ihn auf den Rücken zu legen: Gebrüll. Auf beiden Seiten das selbe Spiel. Im Minutentakt stecke ich den Schnuller zurück in seinen Mund. Nach drei Runden um das Feld und einmal quer über den Acker gebe ich es auf. Wir müssen ja nicht die Nachbarn verstören. Also wieder nach drinnen, ausziehen, nicht Spielteppich, nicht Gitter, nicht Decke auf dem Fußboden, nicht Babywippe, nicht Tragetuch...

Mein Vater, der Opa, sitzt mittlerweile am Küchentisch und liest die Zeitung. In mir kocht es.
"Wenn du heute etwas zum Mittag essen willst, dann nimm mir mal bitte ein paar Minuten deinen Enkel ab", sage ich etwas zu unfreundlich. Und dann sitzt der kleine Kerl vergnügt auf Opas Schoß und kaut auf der Baumarkt-Werbung. Kind! Wenn du doch nur schon reden könntest und mir sagen, was du willst!