Samstag, 25. Mai 2013

Wasser, die Zweite.

Es gibt noch einen Weg, den sich das Wasser aus meinem Körper sucht: via Tränendrüse.
Man nennt mich mittlerweile Prinzessin Himmelhochjauchzend Zutodebetrübt. Und das zu Recht. Meine Stimmungen wechseln so abrupt wie momentan das Wetter: Beinahe täglich.

Der gestrige Tag war furchtbar. Nicht, dass mir sonderlich tragische Dinge widerfahren wären. Trotzdem bewässerte ich beinahe ständig meine Umgebung:
Das Ganze Dilemma begann schon morgens im Bad. Meine Haare - ziemlich ungewaschen - wollten einfach nicht so, wie ich es gern hätte. Die Zeit hatte es viel zu eilig. Und überhaupt.. war da etwa schon wieder ein Pickel auf meiner Nase? Dann noch mein pausbackiges, rotes, verschlafenes Struwelpeter-Gesicht im Spiegel.. zum heulen!
Dokumentarfilm im Biologieunterricht. Irgendwelche kleinen Fische in Afrika haben eine Technik entwickelt, um einen Wasserfall hinaufklettern zu können, damit sie oben, im seichten Gewässer einen sicheren Laichplatz finden. "Doch einige der kleinen Kreaturen sind der enormen Belastung und dem riesigen Kraftaufwand nicht gewachsen.", kommentiert der Sprecher im Film. Traurigtragische Musik wird eingespielt. Die Kamera zoomt ganz nah an einen kletternden Fisch. Der Sprecher: "Viele Bergsteiger erreichen den See nicht. Sie sterben an der steilen Felswand." Schwups. Das kleine Fischlein schließt seine Augen und lässt sich einfach fallen. Unter herzzerreißender Musik eine Weitwinkel-Einstellung des tosenden Wasserfalls. Armes Fischlein! Und schon kullern die Tränen über meine Wange.
Fahrstunde am Nachmittag. In der Spielstraße fahre ich aus Versehen 30 statt Schritttempo. Ich brauche vier Anläufe und drei Korrekturzüge, bis ich in der Parklücke stehe. Mein Fahrlehrer ermahnt mich häufiger als sonst wegen des Schulterblicks. An der Kreuzung biege ich zu schnell ab, schalte aber zu langsam. Als wir am Ende der Stunde halten, gibt es das Resümee meines Lehrers: Ich habe fast doppelt so viele Fahrstunden zusammen wie ein Bekannter, der nächste Woche seine Prüfung machen wird. Meine Prüfung allerdings liege in weiter, weiter Ferne. Ich stelle mich nämlich dämlich an, mache immer wieder die gleichen Fehler. Langsam sollte ich das doch mal kapiert haben. Wo ich doch schon eine halbe Ewigkeit Stunden nehme. Jeder Depp könne schließlich Auto fahren. So sagt er. Drückt sich nur etwas netter aus. Aber die Botschaft dahinter ist klar. Tapfer versuche ich, den dicken Kloß in meinem Hals hinunter zu schlucken. Klappt nicht. Schon werden meine Augenwinkel verdächtig feucht. Schnell verabschiede ich mich und verlasse das Auto. Kaum draußen, der erwartete Tränenausbruch. Mitten auf einem gut besuchten Discounterparkplatz.
Ach man!
Es ist wirklich zum weinen.