Sonntag, 7. Juli 2013

"Sonst geht's mir gut, ja."

Was macht frau nachts?
Schlafen?
Nein, nicht mehr. Eigentlich dachte ich, die letzten Nächte vor der Küken-Invasion noch einmal so richtig entspannt durchschlafen zu können (denn dann ist ja erst mal für eine ganze Weile Schluss damit). Das Problem dabei ist allerdings, das "entspannt durchschlafen" eine angenehme, zumindest halbwegs gemütliche Schlafposition erfordert. Logisch. Und selbige findet sich seit einer Woche leider nicht mehr:
Der Bauch scheidet ja so oder so schon mal aus. Auf dem Rücken geht das mittlerweile auch nicht mehr, weil mir dann der kleine Stein die Luft und sämtliche inneren, lebenswichtigen Kabel abdrückt und ich mich nach fünf Minuten mit Luftknappheit und Beinkribbeln aufsetzen muss.
Bleibt: die rechte und die linke Seite.
Nunja.
Auf der linken Seite überkommt mich, kaum dass ich mein Haupt ins Kissen gebettet habe, ein fürchterlicher Brechreiz, der erst nachlässt, wenn ich mich wieder aufsetze oder aber einfach zu müde bin um mir von ihm ernsthaft meine Ruhe nehmen zu lassen.
Auf der rechten Seite meckert der Ischiasnerv, mein Gewebe in Hüft- und Lendenregion ziept und zetert und mein Rücken findet alle denkbaren Positionen in Seitenlage sowieso zum kotzen.

Und so wälzte ich mich Nacht um Nacht umständlich von einer Seite auf die andere. Was übrigens auch wieder sämtliche Muskeln in Unterbauch- und Pogegend schmerzhaft beansprucht, unheimlich zeitaufwendig ist (langsam seitlich aufsetzen, Millimeter für Millimeter in den Strecksitz drehen, Seitenschläferkissen von der einen zur anderen Seite transportieren, Kissen aufschütteln, ganz langsam seitlich in die andere Richtung drehen, in Zeitlupe hinlegen - das ganze neun- bis zehnmal nachts) und den Herzensmensch jedes Mal durch mein Stöhnen und Jammern mit aus dem Schlaf reist.

Seit letzter Nacht schlafe ich nun im Sitzen.
Es ist nicht unbedingt erholsamer, vermeidet aber sämtliche Schmerzen und größtenteils schlechte Träume (weil man in insgesamt vielleicht drei Stunden effektivem Schlaf eben kaum Zeit zum träumen hat). Immerhin.

Als sich um fünf Uhr morgens schließlich die ersten Vögel zanken und graues Tageslicht ins Schlafzimmer wabert, beschließe ich, endlich aus dem Bett zu kriechen. Morgenstund' hat Gold im Mund... Noch nie habe ich mich so sehr auf das Aufstehen gefreut. Nachdem ich es irgendwie geschafft habe, mich richtig aufzurichten und über die Matratze zu rutschen, sitze ich breitbeinig wie ein Sumoringer auf der Bettkante und nehme Anlauf zum Aufstehen. Es klappt beim dritten Versuch.

Anziehen.
Ein logistisches Großereignis mit Hindernissen. Das In-die-Hose-Steigen erfordert wieder Kräfte und Muskeln, die in meinem Körper gerade in der Umbauphase sind und dementsprechend überbelastet aufheulen. Ist ja gut.
Und dann.. die Socken.
Versucht mal, euch zu bücken und dabei die Dinger über die Füße zu ziehen, wenn euer Bauch die Form und das Gewicht einer großen Wassermelone hat. Gleichgewicht halten? Äußerst schwierig. Im Sitzen klappt das übrigens genauso wenig, auch da ist entweder die Melone im Weg oder die Lendenmuskulatur beschwert sich heftig.Vor zwei Wochen habe ich noch über den lieb gemeinten Rat meiner Hebamme ("Und wenn alles nichts hilft: frag deinen Partner, der hilft dir gern") gelacht. Heute wecke ich den Herzensmensch um fünf Uhr morgens wenig liebenswürdig mit den Worten: "Schatz, kannst du mir bitte die Socken anziehen?" und versuche, den halb belustigen, halb mitleidigen Blick zu ignorieren, den er mir dabei zuwirft. Geht eben nicht anders. Na und.

Wenn dann auch dieser Punkt abgehakt ist, mache ich mich bedächtig, Schritt für Schritt breitbeinig watschelnd auf den Weg in den Tag.
Aber sonst geht's mir gut, ja. Danke der Nachfrage.