Montag, 9. Februar 2015

Töpfchen.

"Ist er denn schon sauber?", fragt die Kindergärtnerin bei unserem ersten Schnuppertag. Als wäre das Kind ein Welpe. "Najaaaaa", weiche ich aus, "Wir gehen regelmäßig aufs Töpfchen. Er sagt auch schon ab und zu mal 'Teich'." Moment. Wir gehen...? Vor allem Mütter neigen häufig dazu, von ihrem Kind in der ersten Person Plural zu sprechen. Ich tue das ständig. Natürlich ist es Schwachsinn. "Wir gehen jetzt ins Bettchen", "Wir wollen jetzt die Mütze aufsetzen"... Na klar. Ich warte auf den Tag, an dem mich das Söhnchen groß ansieht und fragt: "Mama Heia Bettl?". Meistens fällt mir meine Wortwahl aber auch erst auf, wenn es schon zu spät ist. Ich kann es nicht abstellen. Bloß gut, dass es anderen auch so geht.

Wo war ich?
Ach, Töpfchen. Der Krippen-Gruppenzwang fordert von meinem Eineinhalbjährigen nun also regelmäßige Thronsitzungen, trockene Windel nach dem Mittagschlaf und Anmeldung des großen Geschäfts. Wir beugen uns (wir?), haben ja auch kaum eine andere Wahl.
Mit verbissener Akribie verfolge ich genau die Mimik und Gestik meines Kindes, um beim kleinsten Anzeichen sofort aufspringen und nachhaken zu können: "Marek, musst du mal aufs Töpfchen?", "Marek, musst du wirklich nicht pullern?" und wenn ich gerade mal nicht hingesehen habe: "Marek, machst du etwa gerade A-a?". Das ist anstrengend und nervt. Nicht nur mich. Marek fühlt sich von mir belästigt und bespitzelt. Versucht sich heimlich für das große Geschäft unter dem Tisch zu verstecken. "Marek, was machst du da? Kackerst du?". Ja, ich finde mich selber ätzend.

Dennoch zeigt meine penetrante Fragerei erfreulicherweise Erfolge. "Teich" heißt bei Marek so ziemlich alles, was nass ist oder in irgendeiner Weise mit Wasser zu tun hat. Die Gießkanne, das Waschbecken, der Teich im Töpfchen. Mittlerweile weiß er nun, dass ich, wenn das Wörtchen Teich fällt und Marek an seinem Po herumnestelt, panisch nach dem Töpfchen renne. Hose runter, Windel ab, los. Manchmal klappt das. Dann freut Mama sich wie ein Honigkuchenpferd und klopft sich insgeheim auf die Schulter. Unsere (unsere?) Trefferquote liegt bei ca. 66%. Das ist ja schonmal nicht schlecht.
Marek hat aber auch begriffen, dass manche Topfsitzungen länger dauern können und man(n) sich da besser mit einem Buch ablenkt. Mama sitzt auf dem Boden und liest vor. Ein Buch, zwei Bücher, "Na, hast du nun mal einen Teich gemacht?", drittes Buch, viertes Buch, "Nun wollen wir aber mal schauen, ob was drin ist, mh?", fünftes Buch, "Na los, Mama muss kochen.", Gebrüll.
So wird das Wort "Teich" für Marek zur besten Waffe, wenn ich gerade mal keine Zeit habe, um mit ihm in Ruhe ein Buch anzusehen. Und sie funktioniert immer. Immer. Ca. 50% des Tages verbringt Marek jetzt auf dem Töpfchen. Und ich davor, mit Büchern in der Hand.