Freitag, 31. Juli 2015

Im Schneckentempo.


Wir müssen zur Oma gehen. Das Auto abholen. Einkaufen fahren.
Die To-do-Tafel in der Küche fällt übervoll mit Aufgaben fast von der Kommode. Ich beeile mich, dem Kind die Schuhe anzuziehen. Hebe es vom Schuhregal, sage, während ich mir die Jacke überwerfe "Geh doch schon mal die Treppe runter!" und schlüpfe, den Wohnungsschlüssel greifend, in meine Schuhe.
Tasche, Einkaufskorb, Klappbox.
Das Kind sitzt auf der obersten Treppenstufe und wackelt mit den Beinen.
"Komm", sage ich, "geh jetzt mal die Treppe runter. Mama kann dich nicht tragen, ich hab die Hände voll."
- Keine Reaktion. Wackelwackel, die Beine zappeln nach einem stummen Takt. Versunken starrt das Kind auf seine Schuhe.
"Marek! Na los jetzt!"
- Keine Reaktion.
Ich gehe an ihm vorbei nach unten, schließe die Haustür auf, stelle Korb und Klappbox ab, hole die leeren Getränkekisten unter der Treppe hervor. Das Kind bleibt hartnäckig sitzen.
"Marek, die Mama fährt sonst ohne dich!"
Bumbumbumbum, schlagen die Kinderschuhe gleichmäßig an das Geländer.
Ich renne nach oben, schwinge da Kind über die Schulter. Nach unten. Tasche. Haustür schließen.

Die Dorfstraße nach oben, nach der halben Strecke im Stechschritt setzte ich das Kind ab. Hat ja schließlich zwei Beine. Nehme es an die Hand. Wir kommen 10 Meter weit gut voran. Dann kreuzt eine Schnecke unseren Weg. Auch das noch.
Ich sehe, wie das Kind sich bückt, sehe die Schnecke in seinen Händen - und weiß im selben Moment: Verspielt.
Tschüß Zeitplan.