Montag, 20. Juli 2015

Warum es so schwer ist, ein Buch zu schreiben, oder: Vegan Cheesecake, Making of.

Das Küchenthermometer spricht von 28°C, da sitzen wir noch am Frühstückstisch. Kurz vor neun Uhr morgens. Die Morgensonne prasselt zwischen den Jalousien hindurch auf die Margarine. Das Kind ist zappelig aufgedreht und schmeißt mit Apfelstückchen. Ich ignoriere das, mir ist schon zu warm zum schimpfen. Sinnvollste Beschäftigung für diesen Tag: Freibad.

Ich packe die Badesachen in den Beutel und meinen Sohn in den Buggy. Gepriesen seist du, oh kurzer Fußweg zum dörflichen "Erlebnisbad". Kurz nach dem Öffnen sitzen wir schon im Babybecken. Außentemperatur: 30°C, Wasser: 24. Nun, das geht schon.
Gegen Mittag teilen wir uns Kartoffelpuffer mit Apfelmus aus dem Imbissangebot. Schon beim Essen fällt der Kopf des Kindes beinahe ermattet auf dem Pappteller (hätte mich nach "Rutschen Mama! - 'mal! 'mal!" in wiederkehrender Endlosschleife auch gewundert, wenn nicht). Sachen zusammenpacken, Buggy, Bad verlassen. Vor dem Eingangstor sehe ich unschlüssig in beide Richtungen. Vernünftig wäre, für die Zeit des Mittagsschlafes die vergleichsweise kühle Wohnung aufzusuchen.
Marek im Bett, Mama vor einem langen Word-Dokument. Eine Aufgabe steht seit Wochen an meiner To-do-Tafel in der Küche, ich verschiebe sie. Weiter und weiter. Eigentlich schreibe ich gern. Artet das allerdings in echte Überarbeitungs-Erweiterungs-Kreatives Loch-Arbeit aus... sind alle Sachen wichtiger. Nur nicht der blinkende Cursor auf weißem Grund. Und hautfreundlich gebräunt-besommersprosst wird man davon auch nicht.

Die Sonne knallt unbarmherzig auf den asphaltierten Fahrradweg, als ich mich in Richtung Wald entferne. Weg von Kopf-Sachen. Jetzt wird gelebt! Das Kind schläft nach wenigen Metern hinter dem Sonnensegel, leise höre ich es schnarchen. Die Kornfelder links und rechts sondern durch penetrante Hitze-Einstrahlung diesen flirrenden Sommergeruch ab, dieser Geruch nach trockenem Gras, staubiger Erde und verflüssigtem Straßenbelag. Ich atme tief ein, halte mein Gesicht ins Licht, atme Sonne, versuche dieses Gefühl für später irgendwo zu sichern. Für Regentage. Für den Winter.


Wald.
Zwischen Waldrand und Feld, in der Wildhecke, wachsen wilde Himbeeren. Üppig, schon fast in ganzen Trauben. Prall und reif und süß fallen sie von meiner Hand in den Mund.
Frau könnte...
Frau müsste...
Ich fange an zu pflücken. Denke nichts. Lebe im Moment, höre das Kind schnarchen, höre ein paar wenige hitzeresitente Vögel, höre leises Rauschen der Bäume. Fühle diesen dicken Luftballon Euphorie in meinem Bauch, dieser tief sitzende Juchzer, der nicht raus darf, weil man für sowas schon zu alt ist. So fliegt er in mir herum, eine große heliumgefüllte Blase Glückseligkeit.


Ein Stück tiefer im Wald die Heidelbeeren.
Nach der halben Dose erwacht mein Sohn, fröhlich. "Blaubeer'n pflücken!"



Demnächst gibt es dann Kuchen.
Bestimmt.