Dienstag, 1. September 2015

Theorie und Praxis.

Das Problem mit meiner Haut habe ich nicht erst seit gestern.
Das habe ich, seit Spiegel und ich eine engere Beziehung eingegangen sind. Damit beschäftigt habe ich mich auch schon, intensiv. In Phasen. Angefangen bei Symptombekämpfung über Schulmedizin und Pharmazie bis Homöopathie. Mittlerweile bin ich bei der Ursachenforschung angelangt, geholfen hat mir aber bisher noch nichts. Es ist noch nicht einmal Akne. Ich weiß nun, dass meine Haut im Gesamten ein Problem hat. Immerhin. Ich weiß nur nicht... welches. Und wie ich ihr helfen kann, dass weiß ich demnach leider auch nicht.
Aber.
Im Zuge meiner Probiererei mit Essen und Ernährung und (Heil-)Pflanzen konsumiere ich allerlei Literatur.
Und probiere. Nebenbei fällt mir auf, welche tollen Dinge es gibt und wie man - sorry für diesen negativ konnotierten Begriff - sich selbst über das, was man isst, optimieren kann. Je mehr ich mich mit meiner Ernährung beschäftige, desto mehr vergesse ich, dass ich eigentlich etwas an meinem Hautbild verändern wollte. Desto weniger stört es mich, entsprechend. Das ist auch gut - denn daran hat sich, bei aller Nahrungs-Veränderung, absolut nichts geändert. Mhpf.

Wer erinnert sich an die tolle Köfte-Beilage in einem vorangegangenen Post?



Amaranth.
Amaranth ist ein Getreide, dass eigentlich gar keins ist. Das "Kursbuch gesunde Ernährung" (aus Muttis Bücherregal dauer-geliehen) schreibt dazu, es gehöre zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Und war neben Quinoa das Grundnahrungsmittel 5000 Jahre alter Kulturen Mittel- und Südamerikas, später der der Inka und Azteken. Die spanischen Eroberer "staunten [...] über die geradezu unglaubliche Gesundheit der Azteken und Inkas, die immun gegen die meisten Infektionen waren, über deren Heilkraft und Abwehrkraft bei Verletzungen und Fieber und auch über ihre prachtvollen Gebisse". Kein Wunder, dass die Eroberer bald den Anbau und Handel dieser "Zauberpflanzen" unter Todesstrafe stellten.
Trotzdem überlebte die Pflanze die Jahrhunderte - durch heimlichen Anbau in Bergregionen.

Mittlerweile finanzieren UNICEF und die FAO (Ernährungsorganisation) in ganz Südamerika Forschungsprojekte, auch in den USA wird es wieder angebaut. Weil... es einfach großartig ist! Achtung, Bio: Amaranth enthält bis zu einem Drittel mehr Proteine als Weizen und fast zweieinhalb mal soviel Lysin. Letzteres ist ein lebenswichtiger Eiweiß-Baustein, der über die Leber den Stoffwechsel aktiviert und das Immunsystem stärkt. Sonst ist der eigentlich überwiegend im Milcheiweiß zu finden.
Mischt man Amaranth mit Weizen, kann man eine "biologische Wertigkeit von fast 100 Prozent erzielen" - und liegt dabei ähnlich wie Fleisch. Was noch so drin ist: ungesättigte, herzpflegende Fettsäuren, Vitamin C und das seltene, für Veganer aber besonders notwendige Vitamin B12, der Ballaststoffanteil ist hoch, Kalzium und Phosphor hegen ein für den Knochenbau ideales Verhältnis zueinander. "Man hat ausgerechnet, dass ein Kilo Amaranth soviel Eiweiß enthält wie 21 Hotdogs oder 22 Eier oder [...] 15 Tassen Milch".

Wissenschaftler prophezeien dem Korn eine goldene Zukunft im Kampf gegen Hunger und Krankheit. Die Pflanze könnte - mal ein bisschen rumgesponnen - durch ihre Anspruchslosigkeit, gepaart mit den überaus tollen, gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen und der einfachen Zubereitung (z.B. wie Reis kochen) sowie gutem Geschmack, dem Welthunger zu Leibe rücken, würde sie auf der ganzen Welt, vor allem in den ärmsten Ländern, kultiviert werden.

Amaranth - for the win!