Sonntag, 17. Januar 2016

K-Zeit.

Es ist still geworden. Überall: in unserer Wohnung, in dem Teil meines Gehirns, der für Kreativität zuständig ist, hier auf diesem Blog.
Weil wir kaum noch zu Hause sind. Weil das neue Jahr ein Känguru-Jahr ist: schön und dynamisch, aber schwer und in großen Sprüngen unterwegs. Weil alleinerziehend studieren heißt, Prioritäten setzen zu müssen, die manchmal ein bisschen weh tun.

Vergangenen Freitagmorgen stehe ich mit kalten Zehen an der Bushaltestelle Richtung Universität und tippe eine schnelle Entschuldigung in mein Telefon:


Achja, richtig. Der Winter. Hinterkaffhausen liegt schweigend und Schornsteine-rauchend unter einer 50 cm dicken Schneedecke. Der Frost lässt die Treppenhausfenster von außen mit weißen Blumen bewachsen. Wann immer es unsere Zeit zulässt, rodeln Kind und ich Nachbars Streuobstwiese hinunter. Das Feld hinter dem Haus meiner Eltern, in dem wir nun weit öfterer nächtigen als drei Straßen weiter im eigenen Bett, gleicht einem unbeschriebenen weißen Papier.

Papier. Ich blättere viel zu spät Abends stundenlang lustlos durch raschelnde Seiten, ohne wirklich bewusst zu lesen, was auf ihnen geschrieben steht. Die Zeit rast, nein: springt davon und bedrohlich näher und näher rücken die rot umrandeten Kalendertage: Klausuren.

Klausuren. Das böse K-Wort frisst alles andere in meinem Kopf einfach auf. So kenne ich mich gar nicht: labil und prüfungsängstlich, ungesund Zucker- und Kalorien-affin mit diffusen Magenkrämpfen auf dem Küchensofa meiner Eltern. In der Universitäts-Bibliothek. In der S-Bahn. Im Zahnarzt-Wartezimmer. Freitag Nacht auf der Tanzfläche. Zwischen Beats und Bier rattert dieses "Du solltest das jetzt nicht tun. Dir läuft die Zeit davon. Du solltest jetzt nicht hier sein. Du solltest nicht..." wie die Spielzeug-Eisenbahn des Kindes immer im Kreis durch die Gehirnwindungen. Ich tanze im Takt dazu.

Im Takt. Im Takt mit dem Sekundenzeiger verlaufen die Tage. Träge, augenberingt, faul und unmotiviert laufe ich mit. Immer ein wenig außer Atem, wie auf einem etwas zu schnell eingestelltem Laufband. Statt den Blick nach vorn zu richten lasse ich mich ablenken.

Ablenkung. Habe trotzdem gekocht. Und Fotos gemacht. Sogar gelungene.


Wenigstens Rezepte wollte ich posten. Automatisch generiert, aller 3 bis 4 Tage, während der Prüfungszeit. Den Schein wahren, perfekt und organisiert und fleißig und super zu sein. Stecke Sonntag Abend die SD-Karte der Kamera in den Kartenleser, den Kartenleser an den USB-Anschluss meines PCs. Nichts. Kein Pling und kein automatisches Erkennungs-Fenster, die manuelle Suche nach einem neuen externen Speichermedium bleibt erfolglos.
Habe weder Zeit noch Lust, der Sache auf den Grund zu gehen oder das Kamera-Kabel zu suchen. Stecke die SD-Karte wieder dahin zurück, wo sie hingehört. Dann eben keine Saison-Rezepte.


Känguru. Kalt. Kind. Klausuren. Kalorien. Kopf. Küchensofa. Kartenleser-Defekt.
Sendepause.