Donnerstag, 10. März 2016

Essen retten! Ein Plädoyer für mehr Liebe im Supermarkt.



Ständig erzählen einem die Leute, sie würden es hassen, Essen wegwerfen zu müssen. Immer alles aufbrauchen, den Teller abkratzen, im Restaurant auch noch den Anstands-Bissen aufessen. Nahrungsmittel wegwerfen? Frevel!
Und dann stehe ich im Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung, vor mir wühlt man sich durch die Körbe. Man sucht die schönsten, die makellosesten Weintrauben. Wenn schon alles gleich kostet, muss man sich doch das Beste nehmen, was im Korb zu finden ist. Optimales Preis-Leistungsverhältnis erreichen.

Und das unschöne Obst?

Diese eigenartige Halbmoral befällt mich selbst ab und zu und stinkt zum Himmel: Warum einen kaputten Joghurtbecher mitnehmen und damit das ganze Auto einsauen? Warum zerdrücktes Obst kaufen? Soll es doch... weggeschmissen werden?

Ich wünsche mir, die Menschen würden das Essen mit mehr Liebe betrachten. Mit genauso viel Liebe, wie sie Sprüchefotos auf Facebook posten, die alle die gleiche "Du bist nicht perfekt, aber genau richtig!"-Aussage transportieren und einen wieder und wieder daran erinnern, dass niemand bildhübsch sein muss, außerordentlich talentiert, trainiert oder versiert. Es gibt die Body-Positive-Bewegung, einen #stopbodyshaming -Hashtag... Aber im Supermarkt greifen wir trotzdem zu den schönen Äpfeln ohne Druckstellen. Ich fotografiere das schönste, gelungenste Stück Torte. Warum eigentlich?

Mehr Mut zu Makeln! Die fleckigen Äpfel sind das Geld nicht weniger wert als ihre schöneren Kollegen. Eignen sich zum Beispiel hervorragend für Apfelmuß.


Apfelmuß ist dankbar und köstlich. Apfelmuß geht furchtbar schnell und ist (zumindest bei uns) furchtbar schnell alle. Und furchtbar gesund (zumindest gesünder als Pudding) ist er auch noch.

Dafür einfach nur die Äpfel ein wenig klein schneiden. Und in einen Topf schmeißen. Mit allem: Schale, Kernen, Stiel, Blüte, Druckstellen. Vielleicht nicht mit argen fauligen Stellen. Aber kleine braune Punkte stören auch nicht. Echt. Wasser aufgießen und die Äpfel weich kochen.

Das sieht makellos aus. Ich weiß. War nicht beabsichtigt.
Eine großes Sieb über eine große tiefe Schüssel oder einen zweiten Topf hängen. Die weichen Äpfel und das restliche Wasser (sollte mehr als die Hälfte der ursprünglichen Menge Wasser noch im Topf sein, vorher etwas abgießen, damit der Muß keine Suppe wird) ins Sieb geben.
Und dann mit einem Quirl durchrühren. Das enspannt. Immer im Kreis, mit Kraft. Bis zum Schluss nur noch ein kleines Häufchen relativ trockener Schalenmatsch im Sieb klebt. Der kann jetzt weg. Der schmeckt auch nicht.


Wer will, kann den Muß auch nochmal erhitzen und in Schraubgläser füllen. Eingekocht, für schlechte Zeiten oder zum verschenken.