Mittwoch, 4. Mai 2016

Winzige Spaziergangs-Wildkräuterkunde und ein Mist-zu-lange-im-Wald-gewesen-Essen.


Hallo Frühling! Das Kind schläft ungewöhnlich lang. Mein Biorhythmus spielt Uni-Woche, 7 Uhr sitze ich im Bett. Sonntags. Durch die Verdunkelungsrollos grinst ein feiner sonniger Morgen ins Schlafzimmer und für einen kurzen Moment fühlt sich die Welt ganz in Ordnung an.
Während ich zentimeterweise mit dem Po zur Bettkante rutsche um das Kind nicht zu wecken, beschließe ich einen Waldbesuch.

Später, beim Frühstück, weihe ich das Kind in meinen Plan ein. Bis an den Rand des Nationalparks ("Aaaach, ihr wohnt ja SO zauberhaft!" - "Mh.") sind es 15 Laufrad-Minuten. Zu viel. Findet Marek.
Gegen 10 ziehe ich Kind und Bobbycar hinter mir her, 20 Minuten gen Wald. In der Theorie.
Praktisch sprengt das Auto natürlich unseren Zeitplan. Es hat einen Anhänger. Alle zwei Meter muss ich anhalten, damit Marek Fundsachen auf- und entladen kann. Das dauert. Währenddessen schaue ich ein bisschen am Wegesrand herum. Finde... angesagte Wildkräuter. Was kochen wir denn eigentlich heute Mittag?


Die am häufigsten auf dieser Strecke auftauchenden, essbaren Wildpflanzen sind

1 - natürlich der Giersch. Besonders die frischen jungen, zarten Triebe sind ganz lecker. Im Salat. Im Pesto. Im Aufstrick. Überall.
2 - der Löwenzahn. Bekannt. Muss ich dazu noch etwas schreiben?
3 - die Knoblauchrauke! Geschmacklich irgendwo zwischen Bärlauch, Knoblauch und Rauke angesiedelt. Konkret: schmeckt etwas würzig (wie Rauke) und nach Bärlauch, ist aber eigentlich ziemlich mild. Und damit viel kindertauglicher als das Original.
4 - wilde Veilchen. Na gut, die haben wir im Wald entdeckt. Deren Blüten sind essbar und dekorieren den Salat mit tollen Farbtupfern.

Ich lasse mich vom Sammeleifer des Kindes anstecken und ernte Knoblauchrauke und Löwenzahn. Wir trödeln eine Weile im Wald herum und ich spinne im Kopf ein tolles Wildkräuter-Sonntagsessen zusammen. Gleich mal auf die Uhr... Mist. Halb 12 ziehe ich Kind, Bobbycar und Schätze im Eiltempo zurück in die Wohnung, muss aber feststellen, dass die Zeit für ein Hundert-Sterne-in-Hochglanzmagazinen-total-angesagtes-Wildkräuteressen nicht mehr ausreicht.

Improvisiert:
Gegrilltes Ofen-Gemüse mit Linsen und Knoblauchrauke-Löwenzahn-Pesto.
Klingt doch trotzdem nach vielen Sternen.


Dafür

1. Die Linsen eine kleine Weile vorkochen lassen.
2. Wildkräuter waschen.
3. Ofen vorheizen.
4. verschiedenes, möglichst saisonales Gemüse waschen, putzen und mundgerecht schneiden. Jaja, ich weiß, der Brokkoli passt nicht so ganz zum Konzept... Auch das Gemüse ein bisschen vorgaren. Die Pilze aber natürlich nicht.
5. Ein Blech mit Backpapier auslegen.
6. Pesto machen: mit dem Wildkräutergrünzeugs, Sonnenblumenkernen (oder gemahlenen Nüssen), Olivenöl, Salz und Pfeffer und einem Pürierstab.
7. Das Gemüse in eine Schüssel geben, mit Olivenöl und Kräutern (was da ist! Rein!) durchmischen.
8. Linsen und Gemüse auf dem Backpapier verteilen.
9. Blech in den Ofen schieben.
10. Mein Ofen hat eine Grill-Back-Funktion. Die macht hier ganz schön Sinn. Nur backen geht aber natürlich auch.
11. Tisch decken. Warten.


Das Gemüsegedöns dann auf einer Platte mit dem Pesto dekorieren und servieren.
Richtig großartig!

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