Montag, 13. Juni 2016

Prokrastinationsfrühstück und Rhabarber, Teil 2.



Seit einer Stunde hält mich meine Omi am Telefon von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ab: duschen und Inhaltszusammenfassungen von Pflichlektüren lesen. Alles will sie wissen. Wie es mir geht (und das gleich drei mal, nachdem ich zwischendurch einmal aus Versehen auf die Uhr gesehen und dann seufzen musste und ein wenig später etwas unsanft ein Glas am Tisch vorbei gestellt habe), wie es dem Kind geht und dem Rest der Familie. Wie das Studium voranschreitet und ob es Spaß macht (Ernsthaft?), was ich den ganzen Tag so mache (Ernsthaft?) und ob ich schon gehört hätte, dass Joachim Gauck sein Amt niederlegen will (Nein).

Während ich mich ihrem Fragen-Bombardement stelle, blättere ich im Kalender herum. Plötzlich wird mir kalt. Und warm. Und kalt. Habe die Eintragung "Klausur" entdeckt. Und zwar in erschreckender Nähe zum heutigen Datum. Zähle: noch vier Wochen. Vier! Das ist zu wenig!
Ich ringe nach Atem ("Gehts dir gut?" - "Jaja"). Habe den plötzlich immer stärker werdenden Drang, das Telefonat abrupt abzubrechen, um übermotiviert mit der Angst im Rücken meine Hefter aus dem Regal ziehen. Also sich Omi dann aber tatsächlich überraschend schnell verabschiedet, ist dieses Gefühl verschwunden. Komisch.



Stattdessen backe ich schnell Rhabarberteilchen. Weil ich keine Lust habe, mich in der Uni-Bibliothek um einen freien Lernplatz zu prügeln (Hallo Klausurenzeit!), bin ich mit einem guten Freund zum Frühstücks-Picknick verabredet. Prokrastination at it's best.




Wir sitzen dann auf einer Bank mitten im Altstadt-Touristenviertel. Die Morgensonne scheint warm auf meinen Rücken und die Stadt kommt mir aus diesem Winkel auf einmal unfassbar schön vor. Hier bin ich sonst nie, in der Museumsinsel, in der Altstadt, zwischen Stadtführungs-Werbung und gehobener Gastronomie. Er auch nicht. Wir staunen wie Fremde über die eigentlich vertraute barocke Architektur. Alles strahlt. Der Gedanke an Literaturgeschichts-Klausuren liegt mir so fern wie jeglicher Lokalpatriotismus. Lebe im Augenblick, im Eindruck der vertrautfremdschönen Stadt und freue mich so sehr, dass ich Angst habe überlaufen zu müssen.

Die Rhabarberteilchen haben nicht unerheblich dazu beigetragen, ich schwörs!


Das Rezept ist eigentlich viel zu einfach zum aufschreiben. Aber auch viel zu lecker, um irgendwen in Unkenntnis zu lassen. Und außerdem hätte ich doch dann keinem die schönen Fotos zeigen können.

You will need:

TK-Blätterteig-Platten
Margarine
Zimt-Zucker-Gemisch
Rhabarberstangen, nur gewaschen


Die Platten antauen lassen, zu Quadraten schneiden und auf ein Backblech positionieren. In einem Topf Margarine mit Zimt und Zucker schmelzen. Die Quadrate mit dieser Soße dick einstreichen. Die Rhabarberstangen so zuschneiden, dass die Stücken ungefähr der Quadrat-Länge entsprechen. Stücke in den Quadraten einrollen, überlappende Enden zusammendrücken und an der Oberseite zweimal kreuzförmig einschneiden. Dabei auch den Rhabarber mit einritzen.

Das wars schon. Ab in den Ofen damit. Braucht ungefähr 30 Minuten.
 




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