Dienstag, 28. Juni 2016

Prüfungen, Prokrastination und Blaubeeren - Club-Mate-Muffins mit Frucht und ein vorläufiges Blog-Closing.


Eigentlich sollte ich um diese Uhrzeit im Bett liegen. Oder wenigstens lernen, das würde mein Licht im Wohnzimmerfenster für die Spätdienst-Nachbarn noch rechtfertigen. Ist ja immerhin Prüfungszeit.

Tu ich nicht. Ich lese. Nichts von der Literaturwissenschafts-Lektüreliste. Sondern meine Facebook-Konversation über kleingeistige, Deutschlandfahnen-bewimpelte sächsische Anwohner in meinem Hinterland, alias Pegida-Montags-Touristen. Ja, kuck an, ein subtiles politisches Statement. Das tut diesem Blog hier auch mal wieder gut. Wenn mir die Galle überläuft, spucke ich kurz in das Waschbecken und backe dann um 22 Uhr noch Studentenmuffins. Mit Club Mate. Mit viel Club Mate.



Kind und ich haben uns am Nachmittag auf die Sattel gequält. Einer von uns beiden mehr als der andere. Ähem. Mit Helm und Schachtel im Nationalpark. Angenehme Kühle im Wald. Nur die Vögel, der Wind und sonst nichts. Hier ist der einzige Ort, an dem alles von mir abfällt, so ganz wunderbar plötzlich. Hier lenkt mich nichts ab und hier erreicht mich die Uni nicht. Das Kind beginnt, eine Hütte zu bauen und ich beschließe, dass wir dort einziehen werden, wenn er irgendwann damit fertig ist. Abgeschnitten vom Rest der Welt. Von Soziolinguistik, Exil-Literatur und Social Media.

Und während es baut, sammle ich Blaubeeren. Sinnliches Erlebnis, wie in Rancieres Ästhetikdefinition. Hier in der Wildnis ist das Wissen über inklusive Bildung ähnlich nutzlos wie mein empfangloses Mobiltelefon. Hier zählt das Recht des Stärkeren gegenüber den hilflosen blauen Kullern am Busch. Werden alle mitgenommen. Als Trophäe. Als Reminder der Wald-Stille. Waldeinsamkeit, oh wie mich freut, Waldeinsamkeit. Hallo Literaturwissenschaft.


Nach einer Stunde ist die Hütte noch immer nicht fertig und die ersten dicken Tropfen finden ihren Weg durch das Blätterdach auf den Laufrad-Sattel. Vielleicht ist die Waldeinsamkeit doch kein zukunftfähiges Konzept. Vielleicht doch lieber eine trockene, ungeputzte Dorfwohnung mit Abwaschberg und unangetastetem Linguistik-Hefter auf dem Küchentisch.

Seufzen. Beerenfalle in Lenkerkorb. Pokal der Ruhe.


Statt zu lernen... Siehe oben. Rede mir ein, dass die Beeren kleine Pillen sind, die mir innere Ausgeglichenheit und Waldeinsamkeits-Ruhe einflößen. In Verbindung mit Club Mate unschlagbares Team. Fühle den unbändigen Drang zu backen. Sofort. Allesnurnichtdieuniallesnurnichtdieuni mantra-t es in meinem Kopf von rechts nach links und zurück. Und da bemerke ich, wie leer es da oben eigentlich ist. Dass da nichts drin ist außer ein paar Wortfetzen und die Überschriften auf der Schwerpunkte-Liste. Kein Inhalte. Nur die Glaxie-Zuckerwatte vom Instagramfoto. Aufgebauscht, glitzernd und konsistenzlos. Und unbarmherzig rast die Zeit.

Neben Heidelbeerwaldausflügen, Küchenkunst, Geranien gießen, Erdbeeren essen, regulärem Lehrveranstaltungsbetrieb und Prüfungsvorbereitung(swillen) ist irgendwie nicht mehr allzu viel Platz. Wie im letzten Semester lege ich also eine Klausuren-Blog-Pause ein. Hiermit und auf der Stelle. Verabschiede mich in die heiße Phase. Im doppelten Wortsinn. Ahahaha.

Und damit hier keiner weint, gibt es das ultimative, super einfache Studenten-Klausurenzeit-Sommer-süßgehtimmer-Rezept für alle: Waldeinsamkeits-Wunderkugeln treffen Power-Mate. Olé!


Vegane Club-Mate-Muffins mit Blaubeeren

You will need:

3 Tassen Vollkorn-Mehl
1 Tasse Zucker
1 Tasse Pflanzenöl
1 Tasse Heidelbeer-Grütze. Kann man selber machen - kann man aber auch kaufen. Alternativ geht jede andere rote Sommergrütze. Zur Not Apfelmus.
1 Tasse Club Mate
1 EL Sojamehl, mit Wasser zu einem Brei vermischt. Das "Ei".
1 Pck. Backpulver
1 Pck. Vanillezucker
1 Prise Salz
Blaubeeren! Oder Heidelbeeren. Oder Wunderkugeln. Wie auch immer ihr das nennen wollt.

Vorgehen: 

Alles zusammenschmeißen. Umrühren. Muffin-Formen fetten oder Papierformen einsortieren. Teig rein, Formen in den Ofen. Backen bis die Geduld ein Ende hat. Oder es riecht.




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