Mittwoch, 26. Oktober 2016

Konsequenzen und Vorsätze - Was ich aus Halle mitgebracht habe (Hallo Halle! - die Letzte.)


Zur Konferenz an sich und konkret habe ich noch gar nichts geschrieben. Weil... ich auch gern etwas über Konsequenzen schreiben wollte. So etwas wie: Hey, das war großartig, das machen wir jetzt öfter. Und hey, nur vegane Allerweltsrezepte und ein bisschen Alltagsgelaber befriedigen auf Dauer nicht und bieten keinen Mehrwert. Warum nicht parallel mit mehr Inhalt bloggen? Warum nicht politisch? Warum mein Onlinehobby nicht mit Aktivismus verknüpfen?
Oder aber: hey, das war scheiße. Das war inhaltsleer, am Thema vorbei, Kaugummi-Plenum, ohne Konsens, im Kreis drehende immergleiche Gedanken ohne Fortschritt. Ohne Lösungen. Worthülsen mit Knatschkind.
Oder: Ähm. Ich war da, aber mental bei "Lotta von der Krachmacherstraße". Kann nicht reden, ich esse.



- Aber: keines davon trifft zu. Vielleicht von jedem ein bisschen, aber auch wieder nicht. Selbst über eine Woche danach bin ich mir über die Konsequenzen unklar. Bin motiviert und mutlos zu gleich. Chronologisch:

Der Samstag-Vormittag startet ausgeschlafen (das Kind), ausgeruht (ich) und übernächtig (die Gäng). Wir kommen Kinderbeine-bedingt zu spät zu den ersten Hauptvorträgen. Im ersten soll es um Ursachen des Erfolgs der AfD gehen. Wie tritt sie in der Öffentlichkeit auf? Wie ist die Situation konkret in Sachsen-Anhalt? - ich kriege nichts davon mit. Ziehe dem Kind die Jacke aus, suche einen Platz, packe Spielzeug auf den Fußboden und wir beginnen ein Janosch-Puzzle.
Im zweiten Teil stehen die außerparlamentarischen Aktivitäten der Partei im Vordergrund. Vertreter der teilnehmenden Organisationen und den unterschiedlichen Städten und Regionen kommen zu Wort. Wie tritt die dort AfD in Erscheinung? In welche Veranstaltungen ist sie unter Umständen verstrickt? Wie kann wirkungsvoller Gegenprotest aussehen? Welche Strategien können erfolgreich sein?

Lösungen gibt es keine. Zumindest keine Zauberformeln und auch keine Rezept-gleiche, absolut erfolgreiche Strategie. Wer hätte auch etwas anderes erwartet? Viel mehr geht es um Austausch, um Vernetzung. Mit halbem Ohr lausche ich, während ich Tiger und Bär zusammensetze. Was mir besonders (und nach einer Woche auch als einziges) im Gedächtnis bleibt, ist eine Protestaktion in einer öffentlichen AfD-Konferenz. Die Plätze sind begrenzt, der frühe Vogel entscheidet. Die ersten sind "politische Gegner". Linke. Aktivisten. Als der Saal voll ist, besteht das Publikum nur zu verschwindend geringem Teil aus tatsächlichen AfD-Mitgliedern und Sympathisanten. Die Veranstaltung wurde schließlich abgebrochen.

Ich klatsche, dann gibt es Mittagessen. Vegane Gemüsesuppe. Das Kind ist not amused, glücklicherweise gibts auch Fruchtquark. Die Stimmung kippt etwas, ich merke wie er beim Vorlesen immer abwesender wird. Ein Mittagsschlaf wäre toll. Aber in der Workshop-Phase?



Schon im Vorfeld habe ich mich für Workshop 3 eingetragen: Öffentlichkeitsarbeit; Medien, Material und Meinung. Es soll um mediale Formen gehen, die wir nutzen können und sollten, um die Inhalte der AfD zu entlarven. Wie kann man eine medial und öffentlichkeitswirksame Kampagne starten und eigene Inhalte populär werden lassen? Dabei auch zentral im Mittelpunkt: Wie mobilisiere ich mehr Menschen dazu, gegen den Rechtsruck und gegen die Angstschürerei der "Alternative" aktiv zu werden?

Wir versammeln uns nach der Mittagspause, es gibt Lebkuchen, Kekse und Flipchart-Papier. Am Anfang malt das Kind noch Autostraßen auf ein gespendetes Riesenpapier, dann will es kuscheln und "Regenbogenfisch" hören. Ich stecke ihm die Kopfhörer des iPods in die Ohren und wiege ihn sanft auf meinem Schoß, während ich mich schon am Gespräch beteilige. Die Vorstellungsrunde ist gerade zu Ende, als sein Kopf zur Seite sinkt und die Ohrstöpsel auf den Boden hängen. Mittagsschlaf. Das ist ja unglaublich. Plötzlich bin ich hellwach und motiviert.

Wir reden - über Reichweite und Zielgruppen und Differenzierungen. Alles ist sehr theoretisch, aber nicht uninteressant. In der zweiten Hälfte gelingt es, exemplarische Beispielkampagnen durchzuspielen. Welche Menschen möchte ich erreichen? Welche Gruppen machen am meisten Sinn? Sind das die U18-jährigen aus sozialen Brennpunkten? Die ich aufklären muss, AfD-kritisch sensibilisieren? Wie? Mit einem gut gemachten youtube-Video? Wie erreiche ich die besorgten Rentner, wo hole ich den Ü30/U50-Mittelstand ab?
Fragen. Insgesamt mehr Fragen als Antworten, aber ein angeregter Austausch. Kontroversen, kaum Konsens. Ressourcen und Kapazitäten werden problematisiert, fast wird ein bisschen gestritten. Das Kind schläft. Die Lebkuchen gehen zur Neige. Ich denke, wir lernen alle. Nehmen Kenntnisse und Anregungen mit, über Planungen einer zielorientierten Kampagne zum Beispiel. Konkrete Lösungen und Kampagnenansätze gibt es nicht, warum auch? Unsere Ziele sind zu unterschiedlich. Ein Theologe sitzt im Stuhlkreis, eine Gewerkschaftlerin, Linksjugend, ich. Als ich das Kind wecken muss, damit wir unsere S-Bahn zurück nach Hause nicht verpassen, ist mein Kopf voller Ideen. Mich einbringen? In "Aufstehen gegen Rassismus"? Oder... politisch bloggen? Gänzlich neu oder vermehrt subtil? Ach.


Nun also ein Fazit: Mein kurzer Motivationsschub, einen neuen (politischen) Mobilisierungs-Info-Blog zu starten, löste sich einige Tage später im schmutzigen Abwaschwasser. Was ich aber mitgebracht habe, sind einige neue Erkenntnisse zur Planung, zu Zielgruppen und generell ein wenig mehr Knowledge zum AfD-Problem. Ich bin sensibilisierter im Umgang mit der Thematik geworden. Bestimmte Problemstellungen erscheinen mir klarer und... ja, auch noch problematischer als vorher. Ich bin erst recht überzeugt, meinen Beitrag zu einer Aufklärung leisten zu müssen. Ich möchte Menschen bewegen, sich eindeutig gegen rechts und rechte Tendenzen zu positionieren. Möchte Menschen mobilisieren, möchte zu einer kritischen Öffentlichkeit ermutigen. Zu Courage.
Oder - zumindest dazu beitragen. Wenn auch nur zu einem kleinen Teil.
Das ist mein Vorsatz.

Dafür brauche ich keinen neuen Blog. Dafür muss ich auch nicht auf unprofessionelle Foodfotos verzichten. Ich kann weiter belanglose Sachen aus meinem Leben in hübsche Wörter kleiden. Aber ich kann mich offener positionieren. Ich kann vielleicht was öfter erzählen, was hier im Osten, in Sachsen, im "Schandfleck Dresden" eigentlich los ist. Schließlich steht da im Header was von "Weltsicht". Und die ist ganz sicher eins: Bunt, nicht braun.

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