Mittwoch, 4. Januar 2017

Ingwertee, Fernweh, Schnee.


Es gibt Tage, in denen ertrage ich das Leben nicht. Also... mein Leben. Tage, an denen ich stundenlang aus dem Küchenfenster stiere, mit dem Aufwasch-Lappen in der Hand und vergesse den Tisch abzuwischen.

Erste Tage in einem neuen Jahr fallen in diese Kategorie. Moin 2017 - was hast du zu bieten? Ingwertee gegen Schüttelfrost und Ach-nee-ich-brauche-jetzt-nicht-erst-eine-Jacke-um-den-Müll-zur-Mülltonne-zu-bringen-Erkältung. Vor dem Küchenfenster schneit es. Neben mir hängt ein neuer Janosch-Kalender und das Prüfungs-Rot der unteren Hälfte erkenne ich sogar aus den Augenwinkeln. Ich weiß, dass es sich im Februar fortsetzt. Dann kommt der März, komplett gefüllt mit einem Schulpraktikum. Dann das Sommersemester. Täglich grüßt das Murmeltier, Henna-rote Haare, ein Hamstergesicht und die Pegidafahne an dem oberhalb unseres Hauses gelegenen Dreiseitenhof-Giebel im Badezimmerspiegel. Es ist 2017 - hat sich was geändert? Eigentlich nicht wirklich....

Die guten Vorsätze für das letzte Jahr sind nach wie vor aktuell. Es gibt keine symbolische Trennung zwischen gestern und heute. Der Dezember fließt in den Januar wie der Bananensaft in den Kirschsaft, wenn ich versuche, professionell ästhetischen KiBa zu machen. Farbeffekt-lose, gleichmäßige Vermischung zum perfekten Altrosa.

Vor lauter Fernweh kann ich nicht schlafen. Google spätnachts noch Zugverbindungen nach Amsterdam und Toulouse, recherchiere billige Airbnb-Unterkünfte im näheren europäischen Umfeld. Egal wohin. Landflucht. Wenn ich mich nicht verändere, soll sich die Umgebung ändern.
Aber wann?
Mit welchen finanziellen Mitteln? Seit 1. Januar gibt es keine Zinsen mehr auf meinem Girokonto.

Und plötzlich stehe ich vor dem Badezimmerspiegel. Mit Henna-roten Haaren, Hamstergesicht und Pegidafahne im Rücken. Und der Nagelschere in der Hand.

Moin 2017 - hier hast du deine symbolische Trennung. Und jetzt mach gefälligst was draus.

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