Sonntag, 29. Juli 2018

Knicklichter und Churros, Crêpes und Privilege - Katzensprung 2018


We did it again. 
WG-Ausflug auf dieses elektronische-Musik-Festival, ein Katzensprung von um die 550 km.
Und diesmal gibt es keine Fotos. Oder, naja, es gibt genau 3 auf der Spiegelreflex-Kamera, ein paar verwackelte Handyaufnahmen zwischen Akku leer und Ich-mach-mal-besser-aus-weil-ich-Google-Maps-für-die-Heimfahrt-brauche, ein schlecht belichtetes Polaroid vom Spende-für-Nepal-Schminkstand und... 27 analoge Momentaufnahmen, solidarisch geteilte Motivwahl innerhalb der Zeltgemeinschaft.
Das mit der Einwegkamera war der Festivaltipp des Jahrhunderts, fast so genial wie (geliehene) Regenbogentücher mit Rettungsdecke-Fetzen an Skistock, mit dem mein Mitbewohner selbstvergessen auf dem Mainfloor in der Crowd herumschwenkt oder wie das Trampolin neben dem Lieblingsfloor und sehr teure Churros um Mitternacht.

Montag, 2. Juli 2018

Hedonismus als Lebensgefühl - Joghurtkuchen mit Blaubeeren


Manchmal darf es von allem einfach ein bisschen mehr sein. Manchmal steht frau nachts in der Küche und dekoriert Kuchen ohne Anlass, um sich vor wichtiger Arbeit zu drücken und dann... sitzen wir mitten unter der Woche mittags auf diesem Balkon, zwischen Laptop und altem Laub, gucken ins Grüne, kraulen fremde Katzen und feiern all unsere unverschämten, angeborenen Privilegien, weil sie alles sind, außer selbstverständlich hinzunehmen. Gönnt euch:

Samstag, 30. Juni 2018

"Jungs gegen Mädchen, Mädchen gegen..." - Zuckertütenfest-Sexismus und Stereotypisierung mit Bibi und Tina

Zuckertütenfest im Kindergarten ist für den Mitbewohner ungefähr so ein Vorfreude-Highlight wie für mich das Festival im Sommer und ein Portugal. The man- (oder Alice Phoebe Lou-) Konzert zusammen. Für mich heißt Zuckertütenfest eher: Gezwungene soziale Interaktion mit Menschen, die ich sonst eher meide, konstantes Unwohlsein, mein Versagen bei Smalltalk ("Ganz schön heiß heute, hätte ich nicht gedacht" - "Mh, jo." - "..."), Grillwurst und Fleischsalat mit Nudeln, drölfzig Becher knallsüße Waldmeisterbrause für das Kind. Schlechte Laune. Und die Zeit klebt an der Biertischgarnitur wie alter Kaugummi. Soweit zu Set und Setting.

Wie jedes Jahr führen die Schulanfänger*innen ein Programm auf um sich von ihren jüngeren Freund*innen und den Erzieherinnen zu verabschieden. Dieses Jahr wird getanzt. Die Jungen in räumlicher Trennung zu den Mädchen, mit gleichen Basecaps. Die Mädchen im Kleid, Aufstellung so Gegenüberstellung. Schon als die ersten Takte des Songs aus dem Ghettoblaster über die Wiese ballern, unterdrücke ich einen übernatürlich starken Fluchtreflex. Die Kinder bewegen ihre Lippen zum Text. Mittlerweile weiß ich: und kopieren die Tanzschritte aus dem Musikvideo:


Mir wird schlecht, dabei habe ich nur ein Stück bunt gefärbten, trockenen Papageienkuchen gegessen. Weiß nicht ob ich aufstehen, mein Kind von der Hüpfburg zerren und wortlos gehen soll (auch wenn das dem Kind gegenüber höchst unfair wäre). Oder aus Versehen die Waldmeisterbrause auf dem Ghettoblaster verschütten und mit dem Fuß gegen die Bierbank stoßen? 
Ich bin wütend. 
Und wie. 

Samstag, 23. Juni 2018

Heilige Dienstage und was schwimmen und Technoparties gemeinsam haben


Heilige Dienstag-Abende. Kindfrei, nur ich und mein Studileben und die einzige, halbherzige Verpflichtung das Literaturseminar um 16 Uhr. Subkultur-Dienstage, politische Filme, Küfas, Bier mitten unter der Woche und das 19 Uhr-Plenum. Mir selbst genug sein auf fremden Sofas und fast nie in meinem eigenen Bett. Dienstage sind nicht zum heimfahren da, Mittwochs ist der Weg zur Uni nämlich viel kürzer. Auf Dienstage kann ich Yoga-Stunden und Vorträge legen und ab und zu mal ein Theaterstück, so Mitbewohner-frei, Dienstag ist Oma-Opa-Tag in Hinterkaffhausen.
Aber irgendwann ist kein 19 Uhr-Plenum mehr und die heiligen Dienstage werden sowieso seltener. Dass ich offiziell nicht mehr ins Literaturseminar komme schreibe ich dem Professor in eine zweizeilige E-Mail. Weniger Oma-Opa-Tage. Meine Dienstags-Regelmäßigkeiten verschwinden nach und nach zu spontanen Hangouts und die Subkultur macht mir plötzlich Unwohlsein, ohne dass ich mit wenigen Worten erklären könnte woher es kommt. Meistens fahre ich jetzt doch heim an Dienstagen, auch wenn kein Mitbewohner auf mich wartet und auch wenn ich auf irgendeiner Couch oder in irgendeinem Bett schon schlafen könnte und auch wenn der Weg zur Uni am Mittwochmorgen dann mindestens doppelt so viele Kilometer lang ist.

Dienstag, 20. Februar 2018

Mission uncompleted - Küchenexperimente, die Fortsetzung...


Erinnert ihr euch noch an meinen ersten, kläglich gescheiterten Versuch, eine vegane Original Sächsische Eierschecke zu backen? Sicher nicht mehr. Lange her.
Zur Sicherheit hier noch einmal der Link zum alten Blogeintrag:


Für das Verständnis des nachfolgenden Texts halte ich es für elementar wichtig, obigen Beitrag anzuklicken und zu lesen. Ich  weiß. Das ist anstrengend, das kostet mehr Zeit als man eigentlich zum Lesen dieses Beitrags eingeplant hatte und in der Uni ist man eigentlich auch immer der Meinung, dass man es nicht nötig hat. Bis zum Tag der Klausurvorbereitung, an dem frau* dann feststellt, dass elementar vorausgesetztes Vorwissen in den Aufzeichnungen der letzten Semester irgendwie auch fehlt. Äh. 

Überaus nette Dozierende schieben an dieser Stelle in ihren Folien eine kurze Wiederholung und einen Rückblick ein, die Gefahr ignorierend, Personen zu langweilen, die aber gar nicht existieren weil, mal ehrlich, niemand erinnert sich mehr an vorangegangenen Stoff von vor einem Semester. Oder?

Ich schweife ab.
Jedenfalls, weil ich überaus nett bin, hier eine kurze Zusammenfassung des verlinkten Beitrags, oder Was vor 3 Jahren geschah:

Dienstag, 2. Januar 2018

Rucksackkind - Chapter 4: (Couchsurfing)Erfahrungen fürs Leben.

[Menschheit, ich habe Großes vollbracht! Lest und staunt! Nach einem dreiviertel Jahr und mehreren Nachfragen verschiedener Leser*innen ist es mir gelungen, den roten Faden aus der Schreibtischschublade zu holen und unsere Februar-Geldfreier-Backpackerlebnisse aus 2017 weiter in eine literarische Form zu gießen. Er ist ein bisschen geknickt und ausgeblichen, der Faden, aber immernoch zu lang zum wegwerfen! Und bald ist wieder Februar - ohne das hier nicht endlich beendet zu haben, kann ich nicht woanders hinfahren. Also. Wird ja mal Zeit jetzt.

Worum gehts?
Das Kind und ich packen unseren Rucksack und nehmen mit: Viel Neugier, Foodsharing-Essen zur Selbstversorgung und ganz wenig Geld. Aber die Couchsurfing-App. Und fahren damit nach Kopenhagen, nach Malmö, nach Trelleborg und nach Rostock.


Was bisher geschah: Chapter 0 (Vorgeschichte und Weg nach Kopenhagen), Chapter 1  und Chapter 2 (Kopenhagen), Chapter 3 (Weg nach Malmö) ] 























... Der Flixbus erreicht sein Ziel püntklich, zieht man die halbe Stunde Verspätung in Kopenhagen ab. Mitten in der Nacht (Kinder-Zeitrechnung), Malmö Hauptbahnhof. Das Kind stolpert müde an meiner Hand zwischen geschlossenen Wechselschaltern durch die Bahnhofshalle, während ich mit der anderen auf dem Handy nach der letzten Couchsurfing-Konversation scrolle. Unser Host ist - zumindest erscheint er mir so - fantastisch fürsorglich und engagiert. Ganz detailliert beschreibt er in gutem Englisch alle Schritte, die uns nach unserer Ankunft erwarten:
Dass ich am Hauptbahnhof eine jojo kort besorgen muss und Ticket-Guthaben aufladen, welche Buslinie von welcher Station in welche Richtung wir nehmen müssen, wie viele Haltestellen es dann sind, wie der Laufweg zu Wohnung ist und der Pin für die Haustür und wo dann der Wohnungsschlüssel versteckt ist, weil er erst spät nachts heimkommen wird. Ich fühle mich sicher und willkommen.

Der öffentliche Nahverkehr in Malmö und Umland, schreibt er, lege großen Wert auf Nachhaltigkeit und Effizienz. Vor einer Weile wurde darum die jojo kort eingeführt, eine Art Prepaid-Fahrkarte zum Aufladen. Eine mintgrüne Plastikkarte, die mich um die 15 € kosten wird und die ich einfach mit einer beliebigen Anzahl von Fahrten aufladen kann. Eine Fahrt mit dem Stadtbus im inneren Bereich von Malmö kostet eine bestimmte Anzahl schwedischer Kronen. Mit soundsoviel Kronen kann ich also soundsovielmal Bus fahren. Easy. Abbuchen kann das ein kleines Gerät beim Einsteigen im Bus. Und: "Du kannst dir eine jojo kort einfach in der Touristinfo im Bahnhof kaufen und aufladen. Kein Problem." - Ok.

Es ist 22 Uhr am Abend, die Bahnhofshalle ist verwaist. Vor den Wechselschaltern und Kiosks hängen Gitter. Vor der Touristinformation eine Glasscheibe. Drin ist es dunkel. Na hoppla. Verwirrt versuche ich es an einem der Ticketautomaten. Die Spracheinstellungen lassen sich nicht auf Englisch ändern, aber ich verstehe, dass ich meine jojo kort scannen soll. Ich habe keine jojo kort! Und - keine schwedischen Kronen. Und die Wechselschalter... Ach fuck.

Mittwoch, 29. November 2017

Vegan Pumpkinspice-Cheesecake für alle!


Ich häufe die Fotos auf meiner Festplatte an als wäre es meine Altersvorsorge. Andauernd werde ich um Rezepte für diesen und jenen Kuchen gebeten und bete dann freundlich lächelnd die URL zum mittippen herunter. Bis mir einfällt, dass ich das Rezept noch gar nicht geteilt habe.
Oh. Naja, aber schaus dir an, ist trotzdem nett. Äh.

"Du darfst die besten Rezepte gar nicht teilen! Stell dir mal vor, du eröffnest dann doch noch dein Café. Dann muss es auch sowas wie Geheimrezepte geben!", sagt jemand und nimmt sich noch ein Stück Kürbischeesecake, gleich mit den Händen von der Tortenplatte. "Ja, aber...", will ich aus Prinzip widersprechen, irgendwas von sharing ist doch caring und OpenSource und Rezeptwissens-Hierarchien abbauen. Dann fällt mir ein, dass das Argument sich ganz gut als Ausrede fürs Nicht-bloggen eignet, klappe den Mund zu und nicke zustimmend kauend.

Ach, alles Quatsch! Natürlich ist sharing = caring und würde es keinen Feedfeed und andere Vegan-Foodporn-Internetgeburten nebst geteilten Rezepten geben, ich hätte schon längst meine Überlebens-Motivation in dieser tristen grauen Welt verloren. Das schöne an Rezepten: Sie werden nie weniger, obwohl man sie teilt. *Herz-Emoji hier einfügen*

Damit: Vegan Pumpkinspice-Cheesecake für alle!
Kürbis-Käsekuchen ist mit Abstand die beste Idee, die ich jemals hatte. Dieser Kuchen ist nicht von dieser Welt. Ich möchte... eine lebenslange Partnerschaft mit ihm eingehen. Seit ich zum ersten Mal liebste Menschen mit zartorangenen Stücken segnete, ist mein Gruppen-Ansehen im Bereich "vegane Süßspeisen" um hundertfünfzig Prozentpunkte gestiegen. Pumpkinspice-Cheesecake wird alle deine Sorgen in Luft verwandeln. Zumindest ein Kuchenstück lang. Und vorausgesetzt, du magst Kürbis.

Montag, 27. November 2017

Anspruch "Biovegangenderlesssüßkramfrei-Adventskalender" vs. Wirklichkeit

Ey Dezember, ich seh dich schon. Ich weiß. Und dieses Jahr kann ich deine Ankunft fast ohne Emotions-Extremismus hinnehmen. Habe gelernt: Alles hat seine Zeit. Habe gelernt: Es ist gut so, wie es ist. Habe gelernt: Nur weil der Herbst eine Auszeit nimmt und dann das Bedürfnis hat, mit Menschen auf der Südhalbkugel Zeit zu verbringen, hat er mich nicht weniger gern. Und wird zurückkommen. Nach vagen Berechnungen noch so... mindestens 63 mal. Okay, Herbst. Keep going. War sehr schön mit dir.

Jetzt also Dezember aka (Vor)Weihnachtszeit. Sie hat mir Spekulatius mitgebracht, geholfen die dicken Wollpullis an den Gaderobenhaken zu hängen und Kinderpunsch in die Vorratskammer gestellt. Seit Tagen, pardon: Wochen! erübrigen sich endlich wieder einige Disziplinarmaßnahmen, "Pass auf du, der Weihnachtsmann sieht das ganz genau!" und "Die Wichtel schreiben sich das auf, ich würde jetzt besser nicht... falls du einen Adventskalender..." sei Dank.

Noch 3,5 Tage bis zur ersten Nachtschicht am 30. November. Der Dezember aka die Vorweihnachtszeit und ich waren schon einkaufen. Wie jedes Jahr besteht ein meterhoher Anspruch an den Inhalt der 24 Säckchen, die dem blauen Farbkonzept unserer Küche zuwider knallrot und in Euro-Laden-Ästhetik trotzdem paradox Weihnachtsstimmung verbreiten werden. Hat das was mit Psychologie zu tun?
Jedenfalls, der Anspruch. Der Adventskalender meines Kindes soll

Samstag, 28. Oktober 2017

Say yes to...


Hallende Schritte auf dem groben Pflaster der Querstraße
Meine schmerzenden Füße noch immer im Rhythmus
taptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptap
Die rechte Hand in der Tasche
schiebt mit dem Rest Aufgedrehtheit die Kappe des Lippenstifts
auf und zu und auf und zu
klickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklick

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Grounded and so humbled and so one with everything.


Es rauschen die Tage, so herbstlich und warm (frei nach Schubert, Deutschlandradio Kultur im Auto schafft die Illusion eines wohlgeordneten, verantwortungsbewussten Erwachsenenlebens) und ich kann behaupten, dass ich gerade und endlich halbwegs begriffen habe, worauf es zumindest in meinem Leben ankommt und worauf nicht. Es kommt zum Beispiel darauf an, Freunde zu haben, bei denen frau* nachts verheult an der Tür klingeln kann und die mit einem dann die andere Hälfte Nacht Tee trinken, während frau* unwichtigen Weltschmerz nuschelnd auf die Couchdecke kippt. Oder die einem sagen "Augenringe stehen dir" aber auch "Weißt du was ich scheiße bei dir finde...?". Reicht schon zwei davon zu haben. Und es kommt drauf an, solche Freundschaften zu pflegen. Zurückgeben, was man bekommt. In Form von... (Hallo N., du wirst es verstehen) Verzicht, zum Beispiel.